115 Jahre voller sportlicher Herausforderungen

Die Anfänge

Markengründer Louis Renault versteht schon früh, dass sportliche Erfolge das Markenimage formen können. Am 24. Dezember 1898 beschliesst er, auf die bestmögliche Weise die technische Überlegenheit seiner ersten grossen Innovation – des Direktantriebs – zu demonstrieren, indem er, höchstpersönlich am Steuer seines Voiturette Type A, den steilen Anstieg der Rue Lepic im Pariser Stadtviertel Montmartre bezwingt. Die Show zeigt die gewünschte Wirkung, und so wird der Motorsport seitdem für Renault ein wichtiges Mittel, seine Leistungsfähigkeit zu beweisen. In den frühen Jahren des 20. Jahrhunderts gewinnen die Rennwagen von Automobiles Renault eine ganze Reihe grosser Rennen wie zum Beispiel Paris-Trouville 1899 und Paris-Wien 1902 – jeweils mit einem Renault Type K, angetrieben vom ersten von Renault gebauten Motor – sowie den Preis des Dieppe Automobile Club 1913. Mit dem Ersten Weltkrieg kommt der Motorsport in Europa zum Erliegen, doch in der anschliessenden Friedensperiode ist Renault wieder schnell erfolgreich. In den 1920er-Jahren dominiert der beeindruckende Renault 40CV die Szene. Er gewinnt unter anderem die Rallye Monte Carlo 1925 und bricht auf vielen Rennstrecken Geschwindigkeitsrekorde.

Nach dem Zweiten Weltkrieg konzentriert Renault seine Produktion auf kompaktere Autos mit kleineren Motoren, und auch diese Modelle sind in zahllosen Rennen der Nachkriegszeit nicht zu stoppen. Vor allem der Renault 4CV fährt von Erfolg zu Erfolg, so wie sein Nachfolger, die Dauphine. Dann kommt der Renault 8 Gordini, der Renault so richtig auf die Überholspur des Motorsports bringt.

Die ersten Gordini… und dann Alpine

Im Jahr 1958 ernennt Renault den in Italien geborenen Amédée Gordini zum Leiter seiner Motorsportabteilung. Die vielleicht berühmteste Schöpfung Gordinis, der Renault 8 Gordini, wird fortan zum Kultmobil einer ganzen Generation von Sportwagenfahrern und triumphiert in Rallyes und Bergrennen ebenso wie auf der Rennstrecke. Das Auto ist in der Szene so populär, dass im Jahr 1966 sogar der Renault 8 Gordini Cup aufgelegt wird, anerkanntermassen der Vorläufer einer Vielzahl markenspezifischer Meisterschaften. Die Einführung des Renault 12 Gordini wird im Rahmen der so genannten „G-Days“ am 18. und 19. Juli 1970 gefeiert, einem gewaltigen Treffen von Gordini-Besitzern auf der Rennstrecke Paul Ricard. Der Geist dieser aussergewöhnlichen Tage lebt auch heute noch, und zwar in der World Series by Renault.

Ungefähr zur gleichen Zeit wird auch die Formel Renault ins Leben gerufen, als Antrieb der Rennwagen dient der Motor des Renault 12 Gordini. Die erste Französische Formel Renault-Meisterschaft wird im Jahr 1971 ausgetragen.

… und dann Alpine

Im Jahr 1973 übernimmt Renault die Mehrheit an Alpine, einem kleinen Unternehmen, mit dem die Marke schon längere Zeit zusammenarbeitet. Eine gute Entscheidung, denn im gleichen Jahr gewinnt die Alpine A110 Berlinette die erste Rallye-Weltmeisterschaft.

Renault Sport und die frühen Tage der Formel 1

Die Ursprünge von Renault Sport gehen auf den Zeitpunkt zurück, zu dem Renault den bis dahin selbstständigen Rennwagenkonstrukteur Amédée Gordini damit beauftragt, von nun an Rennwagen für Renault zu entwerfen. Gebaut werden diese in einem brandneuen Werk in Viry-Châtillon, vor den Toren von Paris. Die Arbeiten konzentrieren sich zunächst auf ein Zweiliter-V6-Triebwerk, das im Januar 1973 enthüllt wird. Der Motor bewährt sich bei den prestigeträchtigen Europameisterschaften für Sportwagen mit 2 Litern Hubraum, dann tritt Renault der FIA Sportwagen-Meisterschaft bei und entwickelt eine turbogeladene Version dieses Triebwerks.

Offiziell wird Renault Sport 1976 gegründet, im selben Jahr wird ein Rennprogramm für Einsitzer in Form der Europäischen Formel 2-Meisterschaft aufgelegt, gefolgt von der Sportwagen-Weltmeisterschaft. Im Jahr 1977 wird zum ersten Mal die Formel 1-Weltmeisterschaft ausgetragen. Renault geht in der Königsdisziplin des Motorsports als Werksteam an den Start und präsentiert ein innovatives V6-Renntriebwerk mit Turbolader, während die Konkurrenz noch mit Saugmotoren fährt. Zwischenzeitlich gewinnen Didier Pironi und Jean-Pierre Jaussaud in einem Alpine-Renault A442B mit dem neuen Renntriebwerk 1978 das 24-Stunden-Rennen von Le Mans.

Das erste Formel 1-Rennen gewinnt Renault 1979 beim Heim-Grand-Prix in Frankreich, der siegreiche RS11 wird von Jean-Pierre Jabouille pilotiert. In den frühen 1980er-Jahren erringt Renault 15 Grand-Prix-Siege, Alain Prost wird 1983 Weltmeisterschafts-Zweiter. Zum Ende der Saison 1985 zieht sich Renault aus der Formel 1 zurück. Mit seiner innovativen Turbotechnologie hatte Renault allerdings alle Skeptiker widerlegt, welche die Siegfähigkeit der Motoren bezweifelten.